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Grüne Infrastruktur? Nur mit Kleingärten

Sandra von Rekowski

01Kleine Gärten stehen unter Druck. Aufgrund der anwachsenden Bevölkerungsentwicklung in Städten und Kommunen wird zunehmend mehr Wohn- und Gewerberaum benötigt. Gleichzeitig muss qualitativ hochwertige und gut erreichbare grüne Infrastruktur im Bestand geschützt bzw. weiterentwickelt oder neu geschaffen werden. Diese ist lebenswichtig für die Stadt der Zukunft.

Kleingärten spielen bei der Erhaltung und Weiterentwicklung urbanen Grüns eine entscheidende Rolle, dies vor allem auch wegen ihrer optimalen, innerstädtischen Lage. Eine schnelle Erreichbarkeit des Kleingartens, im Idealfall zu Fuß oder mit dem Rad, ist ein wesentliches Merkmal eines solchen. Zudem sind Kleingärten in überhitzten Städten wichtige Kaltluft- und Biodiversitätsinseln und Orte des sozialen Miteinanders. Und nicht nur Kleingärtner sollen vom Nutzen innerstädtischer Kleingartenanlagen profitieren, sondern auch Anwohner ohne eigene Parzelle.

In der Studie „Kleingärten im Wandel – Innovationen für verdichtete Räume“ wird das Potential, Kleingartenanlagen verstärkt in die urbane Freiraumplanung einzubinden, genauer untersucht. So sind die befragten kommunalen Verwaltungen überzeugt, dass vor allem die öffentliche Zugänglichkeit, die Einbindung in das Grün- und Freiflächennetz, der Naturschutz, die Artenvielfalt und der Klimaschutz sowie öffentlich nutzbare Gemeinschaftsflächen dazu beitragen können, dass Kleingartenanlagen Teil grüner Infrastruktur sind. Auch innerhalb der Stadt- und Regionalverbände ist die Vernetzung der Anlagen mit dem städtischen Freiraumnetz eine der wichtigsten Aufgaben für ein zukunftsfähiges Kleingartenwesen. Vor allem werden hier Potentiale gesehen in der Einbindung öffentlicher Fuß-, Wander- und Radwegenetze. Auch Kleingärten als grüne Lernorte, öffentliche Spielbereiche, soziale und kulturelle Angebote für die Öffentlichkeit und die Schaffung von Lebensräumen für Tiere und Insekten werden als Maßnahmen zur Stärkung der grünen Infrastruktur angeführt.

Neben den Pachtflächen der Kleingärtner besteht eine Kleingartenanlage aus öffentlich zugänglichen Wegen, Gemeinschaftsflächen und vielfach auch Spielbereichen. Gerade dort, wo der Druck auf Kleingärten zunimmt, muss dafür gesorgt werden, dass auch umliegende Anwohner von diesen Flächen profitieren. Um die Öffnung der Anlagen für die Allgemeinheit zu gewähren, bedienen sich die Vereine bereits entsprechender Maßnahmen (siehe Studie „Kleingärten im Wandel – Innovationen für den verdichteten Raum: http://bit.ly/bbsr-studie). Im Zuge von Neu- und Umplanungsmaßnahmen von Kleingartenanlagen, sollte neben den Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern als weitere bedeutende Zielgruppe zukünftig verstärkt die umliegende Nachbarschaft berücksichtigt und eingebunden werden.

Zur Entwicklung vernetzender Konzepte braucht es deshalb eine starke Gemeinschaft aus Stadt- und Regionalverbänden und kommunalen Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung wie die Stadtplanung und die Grünflächenämter. Denn attraktive öffentliche Aufenthaltsräume dienen nicht nur der Aufwertung der Kleingartenanlagen an sich. Im besten Fall sind sie das verbindende Element grüner Infrastruktur einer Stadt. Sie qualifizieren nicht nur das urbane Grün- und Freiflächennetz, sondern erweitern es sogar durch ihre bestehenden Strukturen. Zudem bieten offene und erlebbare Kleingartenanlagen die Chance ganze Wohnquartiere aufzuwerten und zur Steigerung der Lebensqualität ihrer Bewohner beizutragen.

Bild: Thomas Wagner
Offen und attraktiv gestalteter Weg in der Kleingartenanlage Sonnige Höhe in Chemnitz

Das Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux und seine Mitgliedsverbände rufen alle Kleingärtner auf an der Woche ohne Pestizide, welche vom 20. bis 30. März 2020 organisiert wird, teilzunehmen.

magazinEine Woche ohne Pestizide 2020
Können wir etwas bewegen? Ja, das können wir.

Es gibt viele Alternativen zur Anwendung schädlicher Chemikalien und es ist sehr wichtig sofort mit diesen Alternativen zu experimentieren. Schützen Sie unsere Umwelt, haben Sie Spaß und genießen Sie Ihre Gartenarbeit weiterhin auf eine natürliche Weise ohne den Einsatz von Chemikalien.

Mit unserer Liebe zur Gartenarbeit und zum Anbau sind wir zu den Hütern der äußerst wichtigen grünen Korridore im städtischen Umfeld geworden. Zu diesen Korridoren gehören Parks, Wälder, Hausgärten und Kleingärten. Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen haben zweifellos bewiesen, dass Kleingärten für die Gemeinschaft und diese grünen Korridore am vorteilhaftesten sind. Sie sind fruchtbarer, produzieren mehr Ernte pro Quadratmeter als Landwirte und gewerbliche Gärtner, sind ökologisch vielfältiger und bieten eine größere Kohlenstoffsenke als jede andere Art der Landnutzung, sogar Wälder. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass wir diese Gebiete und unsere Kleingärten nach besten Kräften schützen.

Wie können wir das tun?

Indem wir den Einsatz von Pestiziden, die eine Vielzahl schädlicher oft tödlicher Chemikalien enthalten, reduzieren, tragen wir dazu bei, das Gleichgewicht der Natur zu erhalten. Wie wir alle wissen, wirkt sich die Bekämpfung eines Schädlings mit Chemikalien nicht selten auch auf andere Nutzinsekten aus, nicht nur durch die Aufnahme der Chemikalien, sondern auch durch die Aufnahme durch andere Insekten und Lebewesen in der Nahrungskette.

Also, wie können wir hier helfen?

Nehmen wir als Beispiel Kohl, indem wir ihn einfach mit einer Glocke aus feinem Netz bedecken (normales Netz erlaubt es Schmetterlingen, Eier durch zu legen), Gerüstmüllnetze sind eine sehr gute, billige Option und haben eine Vielzahl von Vorteilen, damit kann auf chemische Sprays verzichtet werden. Es hält nicht nur Schmetterlinge und die daraus resultierenden Raupen fern, sondern bietet auch eine Barriere für Tauben, die Ihren Kohl zerstören können. Es schafft auch eine Mikroklimaanlage, die vor Wind und Verbrennungen schützt, Regen durchlässt und Feuchtigkeit und Wärme zurückhält, was die Notwendigkeit der Bewässerung reduziert. Es gibt also eine Vielzahl von Vorteilen, wenn man einfach einen feinen Netzmantel aufbaut. Allerdings, was ist mit Blattläusen, höre ich Sie sagen, allein durch diese zusätzliche Anpflanzung von Tagetes (Ringelblumen) im Netzmantel sollte eine angemessene Abschreckung für die Blattläuse sein, und es funktioniert auch sehr gut in Poly-Tunneln.

Blattläuse können auch mit einer einfachen Seifenlösung ausgerottet werden, was eine viel umweltfreundlichere Methode ist, als das Sprühen mit Chemikalien. Auch das Gießen von Kohl in den frühen Phasen des Wachstums mit verdünntem Beinwell und Brennnesselsaft erweist sich als abschreckend für Insekten, vielleicht ist es der starke Geruch, der es tut; diese Methode ist jedoch keine gute Idee wenn die Erntezeit naht. Eine weitere Methode ist das Sprühen mit verdünntem Knoblauchsaft.

Wenn es um Unkraut geht, hält das ständige Hacken das Unkraut klein und wenn es entfernt wird, bevor Samen entstehen, können alle Blätter kompostiert werden, was einen weiteren kostenlosen Nutzen für den Garten schafft. Selbst das schwierigste Unkraut wie Stutenschwanz (Equisetum arvense) kann kompostiert werden, indem es zuerst in Wasser oder einem schwarzen Plastikbeutel verrottet oder in der Sonne getrocknet wird, bis es völlig spröde ist, bevor es dem Komposthaufen zugeführt wird.

Wenn Sie Wasser sammeln, was wünschenswert ist, und dies in einem offenen Behälter tun, geben Sie einen Teelöffel Pflanzenöl hinein und es stoppt die Bildung von Mückenlarven.

Die Delegierten des Office International tagten in Luxemburg

magazinAm 6. und 7. März 2020 tagten die nationalen Delegierten zur jährlichen statutarischen Vollversammlung in Luxemburg.
                                                                                    
Neben den statutarischen Aufgaben konnten die Arbeiten zur Überarbeitung der Statuten und ihre Anpassung an die heutigen Erfordernisse größtenteils abgeschlossen werden.

Die Broschüre: „Der Boden lebt“ ist ein Dokument, welches die Kleingärtner und Hobbygärtner unterstützen soll noch vermehrt den Boden, ihr wertvollstes Arbeitsinstrument, zu schützen, und liegt in deutscher Sprache vor. Die Broschüre konnte in Englisch, Französisch, Niederländisch und Schwedisch übersetzt werden und wird im Juni sowohl als Broschüre wie auch als Bindestrich erscheinen. Sie wird noch in Finnisch übersetzt werden als Geschenk zum 90. Jubiläum des finnischen Verbandes.

Alle Verbände berichteten über ihre Aktivitäten. Dieser Austausch brachte wieder sehr interessante Erkenntnisse und gab, je nach Bedarf, Anregungen für nationales Handeln.

Die nächsten Bindestriche werden das Thema: „Wir sind stolz auf……“ beleuchten und Projekte, Gruppen, Anlagen, Programme, beschreiben um als Multiplikatoren zu wirken.

Das Office und die angeschlossenen Verbände führen ihr Engagement für ein naturgerechtes Gärtnern fort.

Ein Memorandum wird auf der Office Homepage, den nationalen Internetseiten, sowie in den nationalen Kleingärtnerzeitschriften veröffentlicht werden und gilt auch als Beitrag für die jährliche Woche ohne Pestizide (20. – 30. März 2020).

5 Anträge für die Office-Ehrenurkunde für naturgerechtes Gärtnern, 1 Antrag für eine Ehrenurkunde für soziale Tätigkeiten und ein Antrag für eine Ehrenurkunde für innovative Projekte konnten positiv bewertet werden. Die Datenbank mit Beispielen guter gartenbaufachlicher Praxis konnte mit diesen Projekten erweitert werden.

Die nationalen Delegierten werden sich am kommenden 26. August während ihrer Studientagung in Helsinki (Finnland) zur nächsten Vollversammlung treffen. Während dieser Tagung wird auch der finnische Kleingärtnerverband sein 90. Jubiläum feiern.

Die nächste statutarische Vollversammlung findet am 5. und 6. März 2021 in Luxemburg statt. 

1000. Ausgabe unseres Verbands-Magazins

magazinUnsere erste Zeitschrift erschien 1930.

Der ursprüngliche Name unserer Zeitschrift war “de Volkstuin” (der Kleingarten). Die Zeitschrift gab Tipps und Tricks wie man Pflanzen anbaut.

Heute veröffentlichen wir elf Zeitschriften pro Jahr, welche mit Tipps und Informationen zum Thema Gartenarbeit gefüllt sind. Neben den Arbeiten im Kleingarten und dem Gemüseanbau behandeln wir Themen wie zum Beispiel private Gärten, Ziergärten und ökologische Gartenarbeit. Unsere Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Vergnügen im Garten für Kleingärtner und private Gärtner zu fördern. Zusätzlich informieren wir  über die Projekte in unserer Organisation.

Pflichtthemen in unserem Magazin sind Gartenaktivitäten im Gemüse-, Obst- und  Ziergarten. Das Gleiche gilt für unsere Kinderecke, das Stecken von Blumenarrangements sowie Plagen und Krankheiten. Jeder Artikel behandelt Probleme oder Aufgaben, die im folgenden Monat anstehen. Auf diese Art und Weise können sich alle Gärtner vorbereiten.

Fast all unsere Artikel werden von Freiwilligen geschrieben, Schullehrer, Professoren, Gartenunternehmer, aber auch erfahrene Freizeitgärtner. Eine Arbeitsgruppe arbeitet unter der Leitung des Verlegers und beauftragte 2017 eine Untersuchung zur Bewertung der aktuellen Zeitschrift. Aufgrund des Feedbacks versuchen sie die Zeitschrift noch ansprechender als bisher zu gestalten. Die größte Herausforderung besteht darin eine breite Öffentlichkeit anzusprechen, vom erfahrenen Gärtner bis zum Laien, von jung bis alt, Familien in der Stadt oder auf dem Land.

Als Organisation können wir diesen Freiwilligen nicht genügend danken und sie nicht genügend loben. Sie schaffen jeden Monat eine professionnelle Zeitschrift, welche wert ist jeden Monat gelesen zu werden!

Beteiligung der Kleingärtner am FEW-Meter Projekt

FEW PartnerWorum geht´s? Im Rahmen des Forschungsprojektes "FEW-Meter" (Food, Energy, Water) werden Studien in Deutschland sowie in den Ländern Frankreich, Großbritannien, Polen und USA durchgeführt, die die Effizienz "urbaner Landwirtschaft" untersuchen. Urbane Landwirtschaft (urban farming) ist ein Oberbegriff für die Lebensmittelproduktion in städtischen (urbanen) Räumen. Weltweit nimmt der kleinteilige Anbau von Obst und Gemüse in den Städten zu.

Urbane Landwirtschaft zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen:

Dazu zählen in New York City und London die Gemeinschaftsgärten (community gardens), aber auch Dachfarmen, Aquakultur, Küchengärten und Therapiegärten erobern die Städte. Kleingärten sind schon seit mehr als einem Jahrhundert eine feste Größe in vielen europäischen Städten, stark ausgeprägt ist diese Entwicklung in Deutschland und Polen.

Kleingärten sind seit je her Orte der Selbstversorgung, die seit der Jahrtausendwende eine Renaissance erlebt. Kleingärten gehören zum sozialen und ökologischen Netzwerk einer Stadt, sie sind im mehrfachen Sinne Teil des guten Klimas im Stadtquartier und Orte der Naturerfahrung. Klar doch, dass Kleingärten auch Teil der urbanen Landwirtschaft sind.

Wie effizient und nachhaltig ist urban farming?
Welche Mengen werden über das Jahr geerntet?
Wie hoch ist der Einsatz von Wasser und Energie?

Fragen über Fragen, auf die die Forscher verlässliche Antworten finden möchten.

Aber auch die Artenvielfalt, das Erlebnis Gärtnern, die Nutzung der Ernteprodukte, Düngung und Pflanzenschutz sind Themenbereiche, die untersucht werden.

In Zusammenarbeit mit dem Forschungspartner ILS (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung) und dem Landesverband werden Kleingärtner aus NRW in 2019 und 2020 ihre geernteten Produkte erfassen, sowie ihre gärtnerischen und ökologischen Aktivitäten dokumentieren. Unterstützt und beraten werden sie vor Ort von unserem Gartenexperten und Referenten an der Landesschule Stephan Grote aus Münster.

Die Forscherinnen Runrid Fox-Kämper und Kathrin Specht vom ILS informierten im Rahmen des Auftaktworkshops am 10. November 2018 in der Landesschule über ein anspruchsvolles und spannendes Projekt.

Erfreulich! 12 Gartenfreundinnen und Gartenfreunde aus, Bochum, Dortmund, Münster, Lünen und Oelde machen mit.

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