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DER GEMEINE LEIN UND DER ROTE LEIN

DER ROTE LEIN (5. Teil)
‚LINUM GRANDIFLORUM'

flaxEINE KLEINE GESCHICHTE
Joël Raguénès – regionaler Schriftsteller und Romanautor (Bretagne): "Et la terre devenait … une mer de lin bleu" ("Und die Erde wurde… zu einem Meer aus blauem Lein"). Dieses Buch erzählt das Epos von Lein und Hanf, zwei Pflanzen, die die Bretagne Mitte des 17. Jh. zur bedeutendsten Textilregion Europas machten. Es ist aber auch ein Roman über Liebe und Abenteuer und enthält ein glanzvolles Zeitbild des Lebens einer bretonischen Familie.

Auszug: "Schau nur, Jan, schau Dir diese blauen Blüten an. Das sind Leinblüten. Gott schenkt sie uns einmal pro Jahr, um uns zu lehren, was Schönheit ist und wie vergänglich sie ist. Morgen werden sie verschwinden, nachdem sie uns einen Tag lang bezaubert haben, und der Lein wird seinen Frühjahrsschmuck verlieren und uns gleichzeitig seine nützlichen Teile hinterlassen. …"

AUF ENTDECKUNGSREISE IN DIE WELT DES LEINS
Dank eines einzigartigen Bodens, Know-hows und Klimas liefert der Lein aus dem Département Seine-Maritime eine hochwertige Faser, die sehr begehrt ist. Im Pays de Caux findet man Leingenossenschaften, aber auch hübsche Geschäfte und Werkstätten. Der Besuch des Freilichtmuseums Tradition du Lin (Leinentradition) bietet eine echte Entdeckungsreise in die Welt des Leins und seiner zahlreichen Anwendungen.

Ein Tipp zum Abschluss: Planen Sie im Juni einen kurzen Aufenthalt im Département Seine-Maritime ein, um die strahlend blauen Felder vor dem Hintergrund der großartigen Landschaften der Alabasterküste bewundern zu können... Ende

DER GEMEINE LEIN UND DER ROTE LEIN

DER ROTE LEIN (4. Teil)
‚LINUM GRANDIFLORUM'

FlaxDer Lein – Symbol der Poesie und der Romantik mit sentimentaler Konnotation. Das Blau des Leins am Ende der langen und biegsamen Stängel, das von einem fast weißen Hellblau bis zu einem tiefen Blau mit violetten Reflexen reicht, verkörpert das gesamte Ausmaß seiner Zartheit und Zerbrechlichkeit, da er ein so kurzes Leben hat und nicht geerntet wird. Gleichwohl lässt ein Bund hübscher blauer Blüten im Garten Tag für Tag und Blüte für Blüte über mehrere Wochen hinweg unsere Grünflächen erstrahlen. Danach kommen die Samen – elegante Kapseln, die an die Stelle der Blüten treten und bis zum Herbst bleiben, und deren Stängel nach dem Abschneiden (es ist unmöglich, sie von Hand abzubrechen, so robust sind sie) unter den Mulch gemischt werden oder in den Kompost kommen.

EINJÄHRIGER LEIN
Der einjährige Lein ‚Linum grandiflorum' mit seinen leuchtenden Farben, die von pink über rot bis hin zu lachsfarben reichen, belebt einen Steingarten ebenso wie eine Blumenwiese zusammen mit einigen Mohnblumen, Margeriten, Jungfern im Grünen, Kornblumen, Kosmeen… Gegen Ende April/Mai aussäen.

FASERLEIN
Im Garten säen wir auch ‚Linum usitatissimum' in der Nähe von Kartoffeln aus; er hält Kartoffelkäfer fern. Doch auch ungeachtet dieser Tierchen oder der Kartoffeln säen wir blaublühenden Lein am Ende des Winters im Gemüsegarten aus und kontrollieren dabei Nackt- und Gehäuseschnecken.

AUSDAUERNDER LEIN
Vergessen wir nicht den ausdauernden Lein, ‚Linum perenne spp', der ebenfalls mit hübschen Blüten in einem intensiveren Blau und einem leicht bläulichen Blattwerk aufwartet und Ihnen jedes Jahr aufs Neue Freude bereiten wird. Sofern Ihr Boden eher verdichtet ist, können Sie ihm auch gerne etwas Sand beimischen. Er fühlt sich auch in Ihrem Steingarten und auf leichtem Boden wohl.

Fortsetzung folgt

DER GEMEINE LEIN UND DER ROTE LEIN

DER GEMEINE LEIN (3. Teil)
‚LINUM USITATISSIMUM'

FlaxVERWENDUNG DES GEMEINEN LEINS
Die langen Fasern sind für Textilien bestimmt, die Werge (kurze Fasern) werden in verschiedenen Verbundmaterialien verwertet, die der Herstellung von Sportgeräten, Fahrrädern, Windrädern, Zigarettenpapier, Geldscheinen, usw. dienen. Die Schäben (beim Schwingen gewonnene Holzpartikel) werden in Spanplatten, Brennmaterial für Heizkessel, Tiereinstreu, Gartenmulch, usw. verwandelt.

DIE LEINANBAUER
Die Qualität des Leins ist das Ergebnis des Know-hows dieser Menschen, deren Arbeitsalltag die nachstehenden Tätigkeiten umfasst:
• die Auswahl der Sorten
• die Überwachung der Bodenqualität (tiefe Lehmböden)
• das enge Aussäen, um feine Fasern zu erhalten
• die Überwachung des Wachstums über einen Zeitraum von 100 Tagen (Insekten, Pilze)
• die Überwachung der 10-tägigen Blütezeit
• dann das Ausreißen (5 Wochen nach der Blütezeit), wenn die Stängel des Leins eine schöne blonde Farbe aufweisen,
• die Überwachung des Leinfelds (wenn die Fasern ausgerissen wurden und auf dem Boden liegen und anschließend gewendet werden) für die Phase des Röstens: dabei greifen Mikroorganismen die Stängel an, um die Fasern vom Stroh zu trennen
• und schließlich das Schwingen, bei dem die verschiedenen Bestandteile voneinander getrennt werden

Der Lein wird dann in Form von großen runden Ballen in die Fabriken gebracht.

Fortsetzung folgt

DER GEMEINE LEIN UND DER ROTE LEIN

DER GEMEINE LEIN (2. Teil)
‚LINUM USITATISSIMUM'

GESCHICHTE UND ANBAU

HISTORY AND CULTUREDie Leinart ‚Linum usitatissimum' aus der Familie der ‚Linaceae' zählt zu den ersten angebauten Arten, und die älteste Faser der Welt, die man in der Dzudzuana-Höhle in Georgien fand, ist 36 000 Jahre alt. Es ist schwer zu sagen, seit wann genau diese Pflanze angebaut wird, doch wahrscheinlich begann die Förderung ihres Anbaus im Ägypten der Pharaonen zur Herstellung von Kleidung, Grabtüchern, Bootssegeln und Bootstauen oder auch Netzen. Die Samen wurden ebenso wie heute auch wegen ihres Nährstoffgehalts verzehrt.

Auch wenn die Gallier in Frankreich bereits Lein anbauten, war es Karl der Große, der Ende des 8. Jh. den Leinanbau auf den königlichen Landgütern empfahl und der sich ab dem 11. Jh. ausweitete. Auch in der Zusammensetzung des Teppichs von Bayeux sind Leinfasern zu finden.

Durch die Erfindung der Leinspinnmaschine durch Philippe de Girard zu Beginn des 19. Jh. wurde Nordfrankreich zu einem der wichtigsten europäischen Zentren für industrielle Spinnerei (Cambrai).

Mit Beginn der Mechanisierung waren Kleinproduktionen für die Fabrikbesitzer nicht länger interessant und die Anbauflächen verringerten sich drastisch. Erst Ende des 2. Weltkriegs (1939-1945) wurde der Leinanbau in Frankreich erneut angekurbelt (von belgischen Landwirten) und die Anbauflächen weiteten sich von 20 000 ha auf derzeit 75 000 ha aus.

Lein wird hauptsächlich in Nordeuropa angebaut, wie in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Lein gedeiht in einem gemäßigten und feuchten Meeresklima mit geringen Temperaturschwankungen, fruchtbarem und tiefem Boden, in meeresnahen Regionen wie der Picardie und den Départements Seine-Maritime, Eure, Calvados oder Orne, in denen die weltweit schönsten Leinstoffe hergestellt werden.

Fortsetzung folgt

DER GEMEINE LEIN UND DER ROTE LEIN

Über die nächsten Wochen werden Sie einige Artikel lesen können, welche verschiedene Aspekte des gemeinen Leins und des roten Leins beleuchten werden

DER GEMEINE LEIN (1. Teil)
‚LINUM USITATISSIMUM'

PFLANZENKUNDE

LINUM USITATISSIMUMBeim Lein handelt es sich um eine einjährige krautige Pflanze, die schnell wächst und zur Fasergewinnung angebaut wird, und dessen Blüten größtenteils blau sind (der weißblühende Lein ist weniger ertragreich). Weltweit gibt es mehr als 200 Leinarten. Bei einem Stängeldurchmesser von 0,5 bis 1 cm kann der ausgereifte Lein einen Meter Höhe erreichen.

Sicher sind auch Ihnen diese hübschen blauen Blüten am Ende langer zartgrüner Stängel bereits aufgefallen, die sich im Wind wiegen und sich im ausgereiften Zustand in tausende runde Kapseln verwandeln, oder auch die Pflanzen, die am Boden getrocknet werden, und deren Farbe von leuchtend grün zu hellgrün wechselt und dann in strohgelb übergeht…

Eine Besonderheit des Leins besteht darin, dass sein Blütenstaub auf Insekten nicht anziehend wirkt, obgleich die Blüte von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen besucht und folglich wie die meisten anderen Blüten auch bestäubt wird. Bei heißem und trockenem Wetter öffnet sich jedoch häufig die Blüte, die Staubbeutel (das Endstück der Staubblätter – männlicher Teil der Blüte) reißen auf und der Blütenstaub tritt aus. Im Anschluss daran dehnen sich die Staubbeutel, rollen sich zusammen und lagern dabei den Blütenstaub auf den Narben (weiblicher Teil der Blüte) ab: Auf diese Weise befruchtet sich die Leinblüte selbst. Sie welkt und die Kronblätter fallen ab. Die Leinblüte öffnet sich lediglich für ein paar Stunden und ist beim Mittagsläuten häufig schon verblüht.

Über einen Zeitraum von rund zwei Wochen öffnen sich die Blüten nacheinander, doch der schönste Moment ist das Aufblühen der ersten Blüte. Fotographen und Kunstmaler stehen als Liebhaber des Leinblaus häufig mit den Leinanbauern in Kontakt, um über den Zeitpunkt dieser außergewöhnlichen Blüte eines einzigen Vormittags benachrichtigt zu werden und ihm beiwohnen zu können, wie beispielsweise rund um Lommoye im Département Eure-et-Loir (Frankreich).

Fortsetzung folgt

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