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Die Ernte ist eingefahren

Zumindest ein Großteil, und das aus dem eigenen Kleingarten! Es ist etwas anderes, ob ich im Supermarkt ein Kilo Tomaten einkaufe oder durch den Garten spaziere und mich über die reifenden Früchte freue. Was noch? Die Samen stammen von der leckeren Tomate, die ich im letzten Jahr von der Gärtnerin nebenan geschenkt bekommen habe, einer alten Tomatensorte aus der Region. Der Sommer war trocken und heiß, alle paar Tage hieß es gründlich die Tomaten zu bewässern. Ob diese wasserintensiven Gemüsepflanzen mit zunehmender Wasserknappheit langfristig bei uns angebaut werden? Was wohl der Gartenfachberater im Verein dazu sagen kann?

Eine Geschichte, die unendlich fortgesetzt werden könnte und sich in den meisten Pflanzen im Garten widerspiegelt. Daran wird deutlich, die Ernte, die wir einfahren, ist weit größer als ein Kilo Tomaten und beinhaltet einen reichen Erfahrungsschatz und lebenslanges Lernen. Zudem bringt der Eigenanbau gärtnerischer Erzeugnisse nicht nur auf individueller Ebene eine reiche Ernte. Allein die über den BDG organisierten 44 000 ha Kleingartenfläche und über 900 000 Pächterinnen und Pächter und ihre Familien wirken weit über das Persönliche hinaus und haben auch gesamtgesellschaftlich ein Riesenpotenzial.

Zum Beispiel im Hinblick auf die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln, besonders wenn man bedenkt, dass in Deutschland nur 1% der professionell landwirtschaftlich genutzten Fläche für den Obst- und Gemüseanbau genutzt wird, was einem Selbstversorgungsgrad von 35,7 % entspricht. Der Verzehr der Früchte aus dem wohnortnahen Kleingarten schützt zudem das Klima: statt chemischer Zusatzstoffe, langer Transportwege und beheizter Gewächshäuser findet man im Kleingarten eine Vielzahl von Nützlingen, Komposterde und recycelte Materialien. Solcherart produzierte Bio-Tomaten verbrauchen pro Kilogramm statt 9,2 kg CO2 in beheizten Gewächshäusern nur 35 g CO2. Ziehen wir außerdem in Betracht, dass ökologisch bewirtschaftete Kleingärten die gesamte Stadt widerstandsfähiger gegenüber den Krisen der Zeit machen, als Regenwasserspeicher, Klimaoase und Erholungs-. bzw. Lebensraum! Bereits 2018 setzte sich eine große Mehrheit der Kleingartenorganisationen für eine naturnahe Gestaltung von Kleingartenanlagen ein. Kommunen sehen eine weitere ökologische Aufwertung der Anlagen als eine zentrale Aufgabe an. Viele gute Beispiele im ganzen Land zeigen, dass Kleingärten auch künftig für eine reichhaltige Ernte sorgen werden, individuell und gesamtgesellschaftlich. Jeder Beitrag zählt.

Eva Foos, BDG

Quellen:
tinyurl.com/kleingaerten-im-wandel
tinyurl.com/hiddenchampions2
tinyurl.com/klimakillertomaten

Bilder:
Urheber: U. Hartleb, BDG (Bild 1), T. Wagner (Bild 2)

Ehrenurkunden 2022 - Der Tuinpark Tuinwijck in Amsterdam (NL)

Der Tuinpark Tuinwijck (Gartenpark Tuinwijck) aus Amsterdam nimmt alle Mitglieder mit an Bord um naturgerecht zu gärtnern.

NATURVERTRÄGLICHE BEWIRTSCHAFTUNG
Der Tuinpark Tuinwijck liegt im Norden von Amsterdam und bildet entlang des Rings A10 eine Übergangszone zwischen der städtischen Bebauung und dem Grün der Landschaft rund um die Stadt. Die grüne, landwirtschaftliche und ökologische Landschaft, die durch Gräben und Wiesen mit der dazugehörigen Flora und Fauna geprägt ist, wird in der Gestaltung des Gartenparks gewissermaßen fortgeführt. Der Park verfügt über 229 Gärten, die für alle Einwohner Amsterdams zugänglich und erschwinglich sind. Die Gärtner im Park sind ein Spiegelbild der Einwohner der Stadt.
Der Tuinpark Tuinwijck wurde im Jahr 1910 als erste Amsterdamer Kleingartenanlage gegründet. Aufgrund des Wachstums der Stadt mussten die Gärten mehrmals verlegt werden, aber seit 1974 haben die Gärtner in Amsterdam Noord einen festen Platz. Die Gestaltung des Parks war für die damalige Zeit einzigartig; es ist die erste Kleingartenanlage, die vollständig in Parkform angelegt wurde, mit viel öffentlichem Grün, an dem sich nicht nur die Gärtner, sondern jeder erfreuen kann.
Die öffentliche Grünanlage wird von einem speziellen Ausschuss verwaltet und basiert auf einer natürlichen Gartengestaltung. Aufgrund der Vielfältigkeit des öffentlichen Grüns gibt es viel Raum um Erfahrungen zu sammeln und die Schaffung verschiedener "grüner ökologischer Zonen". Eine naturverträgliche Bewirtschaftung, Pflege und Gestaltung ist immer das Ziel. Tuinwijck will eine Oase in der Stadt für Flora und Fauna schaffen. Aber auch ein Ort der Natur- und Umwelterziehung für die Gärtner, Kinder und Anwohner sein. Sie sind auf dem guten Weg: Sie haben jetzt die höchste Kategorie des nationalen Qualitätszeichens für natürliches Gärtnern erreicht.

EINIGE BEISPIELE
Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie sie das natürliche Gärtnern bei der Pflege des öffentlichen Grüns gestalten, werden im Folgenden einige Beispiele angeführt.

1. Botanischer Garten
Hier wachsen nur einheimische Pflanzenarten, die auf dem Torfboden des Parks gedeihen. Eine Stapelwand umgibt das Ganze. Hier wurden schon Eidechsen und besondere Farnarten gesichtet.

2. Vogelinsel
Diese Insel mit ihrer natürlichen Schroffheit ist nicht zugänglich. Aufgrund der minimalen Störung ist sie ein Ruheplatz für die Tierwelt. Ein Imker hat hier seine Bienenstöcke aufgestellt. Die Bienenvölker sorgen für die Bestäubung der Obstbäume im Park.

3. Körbe und Vogelkästen, natürliche Unterschlüpfe
Im Park wird viel Wert auf die Artenvielfalt und die Anziehungskraft geschützter Tierarten gelegt. Überall im Park findet man Vogelkästen (auch für Eulen), Fledermauskästen und Brutkörbe. Auch ein Krötenhaufen und ein Insektenhotel sind zu finden.

4. Ränder und Hecken, Wege
Im öffentlichen Grün entlang der Wege gibt es viele Bienen- und Schmetterlingspflanzen, zum Teil einheimisch. Es ist ein bunt blühendes Band durch den Park, das zu jeder Jahreszeit einen anderen Ausdruck hat.
Unter den Sträuchern in den allgemeinen Teilen wird die krautige Vegetation im Wesentlichen in Ruhe gelassen. An vielen Stellen wachsen verschiedene Deckfrüchte zusammen, was zur Artenvielfalt beiträgt.
Es gibt ein Experiment, um mehr grüne Wege zu schaffen. Die ersten Ergebnisse sind positiv. Sie wollen dies in den kommenden Jahren fortsetzen.

5. Wasser und Gräben
Viele Gärten liegen an einem Graben. Wegen des weichen Torfbodens sind die Ufer hier beschlagen, bieten aber dennoch viel Platz für verschiedene Uferpflanzen. Entlang der öffentlichen Grünanlagen wurden viele Ufer niedrig gehalten, so dass sich ein halbnasses Biotop mit Sumpfpflanzen, Wasserinsekten und Amphibien bildet. Dies trägt zu einer guten Wasserqualität bei.

6. Bäume
In den fast fünfzig Jahren, in denen der Park besteht, wurde den Bäumen die Möglichkeit gegeben, ihre volle Reife zu erreichen. Die Abholzungspolitik ist vorsichtig und zurückhaltend. Einige tote Bäume werden für den Specht reserviert.

7. Spielplatz
Das große Spielfeld ist nicht nur für die Kinder da, sondern auch ein Ort, an dem alle Arten von gemeinsamen Aktivitäten stattfinden. Durch extensives Mähmanagement und natürliche Spielmöglichkeiten bildet er eine Einheit mit dem angrenzenden botanischen Garten.

8. Futterwald
Am Rande des Parks will Tuinwijck einen Nahrungswald mit Bäumen und Sträuchern pflanzen, die alle Arten von Essbarem für jedermann bieten. Sie geben kleinen, noch zu züchtenden Bäumen einen Platz in der 'Baumschule'.


ABER TUINWIJCK MACHT MEHR
In ihrem Gewächshaus werden Kultur- und Wildpflanzen gezüchtet und für wenig Geld verkauft. Außerdem ist es ein zentraler Ort, an den man sich mit Fragen wenden kann.
Es gibt einen gut sortierten Laden mit ausschließlich biologischem Saatgut und einer großen Auswahl an umweltfreundlichen Produkten.
Das Schnittgut wird an einer zentralen Stelle gesammelt und dann geschreddert und im Laden verkauft. Die Kompostierung im eigenen Garten wird gefördert. Ebenso wie die Nutzung von Graben- und Regenwasser.
In der Vereinszeitschrift werden viele Informationen gegeben und Wissen weitergegeben, z. B. über die schädlichen Auswirkungen von Pestiziden, Bienen- und Schmetterlingszählungen, Informationen über Permakultur und andere informative Vorträge. In der Zeitschrift berichten sie auch über den Fortschritt beim Bau ihres "Sozialhauses", das nach seiner Fertigstellung ein Haus mit Garten im Park sein soll, für Menschen aus der Stadt, die körperlich oder geistig in Schwierigkeiten sind, um wieder zu sich selbst zu finden.
Und nicht zuletzt. Ihr Park ist nicht nur ein Ort für Flora und Fauna, sondern auch für die Menschen. Auch dafür fühlt sich Tuinwijck verantwortlich. Schließlich ist es ein Park für alle Amsterdamer, die dem Trubel der Stadt entfliehen wollen.


Tuinpark Tuinwijck hat die Ehrenurkunde des Internationalen Verbandes für naturgerechtes Gärtnern erhalten.

Ehrenurkunden 2022 - Kleingartenverein Dalkarlsliden, Skellefteå (SE)

Schaffung eines Arboretums, ein einzigartiges Projekt in Nordschweden

Der Kleingartenverein Dalkarlsliden hat drei große Grasflächen auf seinem gepachteten Land. Die Flächen wurden früher mehrmals im Jahr wie Rasen gemäht und vor einigen Jahren schlug ein Mitglied vor, auf einer der Rasenflächen (5000 m2) einen besseren Lebensraum für Insekten und Vögel zu schaffen.

Schließlich beschlossen sie, auf dieser Wiese ein Arboretum anzulegen. Ein Gartenarchitekt erstellte einen Plan und schlug geeignete Bäume und Sträucher vor. Da wir uns im Norden Schwedens befinden, müssen die Bäume und Sträucher die dortigen Winter überstehen.

Um das Projekt zu finanzieren, beantragten sie außerdem ein Darlehen in Höhe von 10.000 Euro aus dem "Darlehensfonds" des Kleingartenverbands, aus dem die Mitgliedsvereine Darlehen zur Finanzierung von Investitionen für das Gemeinwohl des Vereins beantragen können, wie z. B. Lagerhütten, Versammlungshaus, Sanitäranlagen, Zäune usw., und erhielten dieses Darlehen im Jahr 2020.

Im Jahr 2021 wurde von den Mitgliedern das Arboretum mit insgesamt 34 Bäumen und 16 Sträuchern in 30 verschiedenen Sorten gepflanzt. Alles wurde am 28. August, dem Tag des Kleingartens (wie vom schwedischen Kleingartenverband proklamiert), eingeweiht. Ulrica Otterling, die Generalsekretärin, war anwesend und half beim Pflanzen des letzten Baumes. Dies war auch ein wunderbarer Abschluss des 100-jährigen Jubiläums des schwedischen Verbandes und der damit verbundenen Baumpflanzaktion des Verbandes.

Einen Baum zu pflanzen ist das Beste, was man in seinem Garten tun kann, um die Artenvielfalt zu fördern.

Die beiden anderen Rasenflächen wurden in Wiesen umgewandelt, was ebenfalls der Artenvielfalt zugutekommt.

Der Kleingartenverein Dalkarlsliden hat die Ehrenurkunde für innovative Projekte von der Fédération Internationale des Jardins Familiaux erhalten.

Studientagung in Stockholm

Von 17. bis 20. August 2022 fand in Stockholm die diesjährige Studientagung der Fédération Internationale statt.

Nach zweijähriger Pause konnten Vertreter von 11 nationalen Kleingartenligen endlich wieder persönlich ihre Erfahrungen und Meinungen zu den Themen „Lobbying“ und „Kooperationen mit anderen Organisationen“ austauschen.

Der intensive, gemeinsame Austausch mit Gleichgesinnten brachte für viele neue Ideen und erweiterte Blickwinkel.

 

 

 

Neben dem inspirierenden Gedankenaustausch konnte die Gelegenheit auch genutzt werden, um Kleingartenanlagen in Stockholm zu besichtigen. Im Rahmen dieser Besichtigungen wurden auch die Urkunden der Fédération Internationale überreicht.

 

Ehrenurkunden 2022 - ATV De Uithof in Den Haag (NL)

Naturgerechtes Gärtnern:  Sich immer weiterentwickeln und ein Ansporn für alle sein, ist eine Conditio sine qua non

QUALITÄTSZEICHEN MIT 4 PUNKTEN
Nur eine kleine Gruppe von Kleingartenvereinen in den Niederlanden kann mit Stolz sagen, dass sie das "Nationale Qualitätszeichen für natürliches Gärtnern" tragen dürfen. Dieses Gütesiegel wird mit der maximalen Anzahl von 4 Punkten vergeben. Seit 2021 ist der Kleingartenverein 'ATV De Uithof' in Den Haag stolz darauf, einer dieser Vereine zu sein!

FREIES UND KREATIVES DENKEN
Seit 2010 hat sich der gesamte Verein dem Prinzip des 'natürlichen Gärtnerns' verschrieben. Dies wurde im gesamten Park umgesetzt. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Begeisterung für das kreisförmige Gärtnern, das auf dem Konzept des freien und kreativen Denkens basiert. Die Tatsache, dass der Verein aus einer Mischung von Gärtnern mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen besteht, ist ein großer Vorteil bei der Vermittlung von Wissen und Motivation.

NATURLEHRPFAD
Die Methode, die sie dafür gewählt haben, ist ein "Naturlehrpfad". Dieser Pfad schlängelt sich wie eine einladende Bildungsader direkt vom Haupteingang durch den gesamten Park. Die Besucher können sich inspirieren lassen und die Gärtner können voneinander lernen. Wegweiser, Informationstafeln, Workshops und Wanderungen bieten eine gute Unterstützung für alle, die diesen Wunsch haben. Von den Hauptwegen schlagen wir die sprichwörtliche Brücke zu den einzelnen Gärten.

Der Pfad besteht aus einem Kräutergarten, einem Schmetterlingsgarten, einem Krötenteich und einem Futter- und Staudenwald. Auch auf die Unterbringung von (Wild-)Bienen, Igeln, Enten und Fledermäusen wird viel Wert gelegt.

Das Beschneiden und die Pflege der Uferpromenade und des Komposthaufens stehen ganz im Zeichen des "natürlichen Gärtnerns", ebenso wie ihr Laden. Sie geben einem guten und bewussten ökologischen Gleichgewicht auf verschiedene Weise Raum.

DIE ENTWICKLUNG GEHT WEITER
Bereits mehr als fünfzig Prozent der 213 Gärten sind für das 'natürliche Gärtnern' offen! Natürlich wird ATV De Uithof sich weiter entwickeln und für viele ein Ansporn sein. Sie nehmen ihre Rolle und Verantwortung als Gütezeichen tragende Vereinigung sehr ernst, da sie sehr stolz darauf sind.

 

ATV De Uithof hat die Ehrenurkunde des Internationalen Verbandes für natürliches Gärtnern erhalten.

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