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Kleingärten: Wo Urban Farming ein alter Hut ist

Die Kleingärtner haben europaweit in diesem Gartenjahr erneut gezeigt, wie lokaler Anbau von Obst und Gemüse im urbanen Raum funktioniert. Die mehr als 2 Millionen Kleingärtnerfamilien, die im Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux zusammengeschlossen sind, haben eine enorme Vielfalt an Obst, Gemüse und anderen Gartenbauerzeugnissen kultiviert, geerntet und verwertet. Damit leisten Kleingärtner bereits seit mehr als 200 Jahren ihren Teil zur urbanen Landwirtschaft, die in den letzten Jahren  in Deutschland und europaweit zunehmend diskutiert wird und an Bedeutung gewinnt.

Weltweit werden die Folgen des Klimawandels und der Ressourcenverknappung diskutiert. Einer der Ansätze, die Bevölkerung mit Nahrungspflanzen sicher zu versorgen, ist der kleinteilige und regionale Anbau von Nutzpflanzen in der Stadt. Die Vorteile des so genannten Urban Farming liegen dabei auf der Hand. Es wird dort produziert, wo auch konsumiert wird, Transportketten werden kürzer. Sie haben in Zeiten der globalen Vernetzung gewaltige Dimensionen erreicht und sind deshalb eine der großen Herausforderungen in Hinblick auf den Klimawandel. 

Lokal produzierte Nahrungspflanzen hingegen kommen nicht nur sehr viel frischer in den Handel oder auf den eigenen Teller, durch ihren zügigen Verbrauch entfallen Lagerkosten, was den ökologischen Fußabdruck, also die CO2-Bilanz jedes Einzelnen zusätzlich senkt.

Die Idee, Nahrungsmittel regional anzubauen, ist moderner denn je, denn heute geht es in Kleingärten vor allem um die Erzeugung von gesundem Obst und Gemüse in Bio-Qualität für den eigenen Verbrauch. Darüber hinaus hat das Gärtnern in der Stadt aber noch weitere Effekte. Es verbessert das städtische Mikroklima, leistet einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.

So hielt bereits 2008 eine Studie, die der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde in Kooperation mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium durchführte, (1) fest, dass man in den Kleingärten 59 Obstarten findet und im Produktivgartenbau nur 30, sowie 114 Gemüsearten in Kleingärten und nur 35 Arten im Produktionsgartenbau. Die bedeutendste Aussage der Studie aber war, dass in den Kleingärten Deutschlands mehr als 2090 Kulturpflanzenarten, bei denen die viel größere Sortenvielfalt noch nicht einmal erfasst wurde, kultiviert werden. Kleingärten leisten damit einen großen Beitrag zur genetischen Vielfalt der Kulturpflanzen, also zur Biodiversität.

In Österreich hat eine im Auftrag des Zentralverbandes der Kleingärtner Österreichs anberaumte Biodiversitätsstudie in 40 Gärten in den vier wichtigsten Klimazonen Wiens, welche 2019 vorgestellt wurde (2),festgehalten dass je nach Klimagebiet zwischen 172 und 250 Pflanzenarten bzw. Gattungen in den Gärten aus bis zu 82 Pflanzenfamilien zu finden waren.

Bei den Pflanzenpathogenen gab es sogar eine weltweite Erstbeschreibung, ein Blattfleckenpilz (Peronospora Albugo Brevia), der „Asteromella forsythiae Bedlan“ benannt und im 14. Wiener Gemeindebezirk gefunden wurde. Daneben gab es einen Erstfund einer schon bekannten Pilzkrankheit für Österreich und mehrere Erstfunde für Wien.

In der Schweiz wurde 2019 das Wehrenbacher Familiengartenareal in Zürich auf Wildbienen abgesucht.  111 Arten wurden gefunden, fast ein Fünftel der in der Schweiz bekannten Arten. Etwa die Hälfte der gefundenen Arten sind selten oder gefährdet, und einige von ihnen wurden in Zürich bisher nur in diesem Areal gefunden. Einige hielt man sogar für schon verschwunden (3).

Zusätzlich  fördert  das Gärtnern eine integrierte Stadtentwicklung. Es eröffnet neue Bildungsinhalte und sensibilisiert für nachhaltige Lebensstile. In diesem Zusammenhang wurde eine Kleingartenanlage in Turku in Finnland aufgrund ihres Projektes Kinder für einen nachhaltigen Lebensstil zu sensibilisieren mit der Office Ehrenurkunde für soziale Aktivitäten 2020 ausgezeichnet. (4) Zudem fördert gemeinschaftliches Gärtnern Begegnung im und Engagement für den Stadtteil.

Sandra von Rekowski, Thomas Wagner, BDG,
Malou WEIRICH, Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux

 

Quellenangabe:
(1) Artenvielfalt – Biodiversität der Kulturpflanzen in Kleingärten, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde, 2008
(2) Studie zur Biodiversität der Wiener Kleingärten 2016-2019 Dr. G. Bedlan, Dr. S. Follak, Dipl. Ing A. Moyses
(3) Bindestrich 71
(4) Bindestrich 71

Die Pandemie bestätigte es: Kleingärten sind noch wichtiger als früher

Die Pandemie bestätigte es: Kleingärten sind noch wichtiger als früher Stellen Sie es selber fest: SIE SIND SCHÖN DIE GÄRTEN IN RIS ORANGIS (Frankreich)!

Ein richtiger „städtischer Park und eine grüne Lunge“ für alle.

Ich nehme Sie mit in einen Vorort von Paris um die Kleingärten von Ris Orangis, ein „richtiger städtischer Park“, zu entdecken.

Der Kleingärtnerverein von Ris Orangis liegt, wie sein Name es sagt, in der Stadt Ris Orangis im Departement der Essonne. Viele Wohnbauten umringen diese Kleingärten, welche die „grünen Lungen“ des Wohnbezirks sind.

Ein historischer Überblick

Die Kleingartenanlage entstand im Jahre 1998. Am Anfang gab es in dieser Anlage 87 Parzellen mit einem Gemeinschaftshaus. Diese Anlage hat sich, aufgrund ihres großen Erfolges und der immer größer werdenden Nachfrage der Bürger der Stadt, weiter entwickelt.

Im Laufe der Zeit wurden weitere 170 neue Parzellen angelegt und zwei weitere Gemeinschaftslauben errichtet. Ein technisches Lokal, in dem die gemeinschaftlichen Werkzeuge wie Traktoren, Häcksler, Rasenmäher, Bodenfräser und kleine Schaufeln….aufbewahrt werden. Und eine kollektive Laube, wo sich die Küche und ein großer Versammlungssaal befinden. Dieser Saal erlaubt es den Mitgliedern des Vorstandes sich für ihre Sitzungen zu treffen und Mahlzeiten zu organisieren. Natürlich ist diese Gemeinschaftslaube für alle offen.

Vier zentrale Alleen teilen die Gärten in Inseln auf, welche jede in 8 dreieckige Parzellen aufgeteilt ist. Warum dreieckig? Um nicht das rechteckige Schema der Wohnblöcke, welche die Anlage umgeben, zu wiederholen.

Die Inseln haben alle Namen von Blumen, wie die Bilder es zeigen.

Die Wege haben ihrerseits die Namen von Persönlichkeiten und vor allem die Namen einer Person die wir alle gut kennen: Herr Jules Auguste Lemire. Was für eine schöne Ehrung dieses Mannes, Gründer der französischen Kleingärtner und des Office International du Coin de terre et des Jardins Familiaux, dessen Sitz von Anfang an seit seiner Gründung im Jahre 1926 in Luxemburg ist.

Reduzierung des Kohlenstoff-Fußabducks

Außerhalb der Lauben wird Holz aufbewahrt. Dieses Holz kommt vom Baumschnitt. Es dient dazu den Ofen zu bespicken um die Laube warm zu halten. Das Holz wird auch verkauft und die Einnahmen dienen dem Verein.

In den Familiengärten von Ris-Orangis (wie in den meisten Gärten) stellt jeder Gärtner sein eigenen Kompost her.

Kompost, eine organische Substanz, trägt dazu bei den Kohlenstoff-Fußabdruck eines jeden Menschen zu reduzieren. Er ermöglicht die Speicherung von Kohlenstoff im Boden und trägt zur Aufnahme von Kohlenstoff durch die Bepflanzung bei, was als Humusbildung bezeichnet wird.

Woraus wird Kompost hergestellt? Grüner Abfall! Rinde, trockenes Holz, verfaultes Obst oder Gemüse, Schalen, Blätter, Gras, Strohhalme, Eierschalen…..

Die Gärtner respektieren eine Umweltcharta und fördern die natürliche Gartenarbeit. Das natürliche Gärtnern vermeidet den Einsatz chemischer oder künstlicher Düngemittel. Diese Praxis begrenzt die Bodenverschmutzung, begrenzt aber auch die Abhängigkeit von Produkten, deren Herstellung eine beträchtliche Menge an Treibhausgasen ausstößt.

Natürliche Gartenarbeit bedeutet auch, die Bodenbearbeitung und den Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen zu reduzieren.

Ein richtiger Mix von Kulturen, eine soziale Mixität, eine Hilfe untereinander und ein Austausch von guter Praxis……..Gärtnern ist ein richtiges Vergnügen!

Diese Gärten von 6,8 Hektaren vereinen 257 Parzellen! Wie Sie sich es denken können sind die Familien und die Gärtner sehr verschiedenartig. Ein richtiger Mix von Kulturen, sozialer Mixität, Nachbarschaftshilfe und Austausch von Erfahrungen guter Praxis rythmieren das Leben in diesen Gärten.

Duran und seine Frau sind zwei junge Gärtner in den Kleingärten von Ris Orangis.

 

Tomaten, Petersilie, Zucchini und Peperoni haben sie angebaut. Duran erklärt dass hauptsächlich seine Frau gärtnert, dass er manchmal eine Hand mit anpackt und sich des Gartens annimmt, wenn sie nicht da ist oder sie Hilfe braucht.

Sie kommen auch als Familie auf die Parzelle um frische Luft zu schnappen, in den Alleen zu spazieren und die guten Gerüche der Gemüsegärten einzuatmen.

Einen Garten zu haben ist auch die Freude mit andern Gärtnern zu diskutieren und sich auszutauschen. Es ist auch die Möglichkeit für die Familie sich in freier Luft aufzuhalten. Oft frühstückt er mit seiner Frau frühmorgens im Garten. Es ist so angenehm in der frischen und kühlen Luft zu sein und die Natur zu hören wie sie erwacht.

Was sie an diesen Gärten vor allem mögen ist die Gemeinschaft, die anderen Gärtner und der Gemeinschaftsgeist. Gärtnern ist eine richtige Freude!

 

Ein echter Mikrokosmos von Biodiversität

Jede Parzelle beinhaltet einen wahren Mikrokosmus von Biodiversität. Der Präsident Herr Gil Melin hat nicht weniger als 28 Vogelarten in den Gärten gezählt namentlich Fischreiher, Rabenkrähe, Elster, Eichelhäher, Star, Amsel, Ringeltaube, Felsentaube, Kleiber, Gartenbaumläufer, Zipzalp, Buchfink, Rotkehlchen, Kohlmeise, Blaumeise, Schwanzmeise, Stieglitz, Zaunkönig, Mönchsgrasmücke, Hausrotschwanz, Mauersegler, Grünspecht, Buntspecht, Haussperling, Singdrossel, Misteldrossel, Sperber.

Gesundes Gemüse essen, selbst gemacht

Luis ist jetzt seit 19 Jahren ein Gärtner in der Anlage von Ris Orangis und er ist auch ein Verwalter im Verein.

Bevor er diesen Gemüsegarten bearbeitete, hatte er eine andere kleinere Parzelle, welche oberhalb dieser Gärten lag. Zwei Jahre später hat er gefragt eine größere Parzelle zu erhalten um mehr arbeiten zu können. Aber mit der Zeit beginnt diese Parzelle ihm doch zu groß zu werden. Gärtnern ist eine schwere Arbeit, aber sie beschäftigt ihn. Die Parzelle ermöglicht ihm in der frischen Luft zu sein, in der Natur zu sein. Für ihn ist es ein Vergnügen. Er würde seine Parzelle für nichts auf der Welt abgeben. Solange er sie unterhalten kann, wird er seine Parzelle bearbeiten.

Das Glück zu haben einen Gemüsegarten bebauen zu können ist das Glück gesundes Gemüse essen zu können, das man selber angebaut hat. Es ist auch das Glück einen privilegierten Moment mit der Natur und sich selber zu haben.

Gärtnern ist die Möglichkeit sich zu stärken, wie auch aus dem Alltag zu entfliehen.

Die Gärten sind gut für die Moral und die Gesundheit

Philippe, einer der Verwalter in der Anlage, und seine Frau sind zwei langjährige Gärtner in der Anlage von Ris Orangis.

Sie hegen und pflegen ihre Parzelle. Für sie ist es ein Ort des Austausches und von Ratschlägen, ein Ort voll Leben. Sie stärken sich auch hier. Welch ein Glück sich draußen aufhalten zu können! Den Boden bearbeiten, Gemüse ernten, das unterhält! Dieser Garten erlaubt ihnen auch hier Freunde und andere Gärtner zu treffen. Sie sind immer bereit bei Arbeiten, die in den Gärten gemacht werden müssen, zu helfen und speziell bei Arbeiten zum Anlegen der Gemeinschaftsflächen. Philippe ist der König der handwerklichen Arbeit.

An der Erde herumwerkeln, innovieren, von den älteren lernen speziell in Punkto natürliches Gärtnern. Gärtnern bringt ihm eine gewisse Ruhe. Der Garten ist erholsam und ermüdend zugleich. Aufgepasst, es ist eine gute Müdigkeit, gärtnern ist sportlich! Gärtnern ist gut für die Moral und die Gesundheit!

Ort der Entspannung, ein Ort aus dem Alltag zu entfliehen….

Für die Gärtner der Kleingärten von Ris-Orangis stellt der Garten ein Stückchen Paradies dar. Sie stärken sich, sie treffen Freunde, sie entspannen und sie entfliehen aus dem Alltag.

Und was bringt der Garten Ihnen?

Sandra Bèle

Aktionsprogramm Insektenschutz mitgestalten

Fast drei Viertel aller Tierarten in Deutschland sind Insekten, darunter Bienen, Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Heuschrecken, Ameisen und Fliegen. Sowohl die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Insektenarten in Deutschland sind stark zurückgegangen, was zahlreiche Studien belegen.

Um dem Rückgang der Insekten entgegenzuwirken und ihre Artenvielfalt langfristig zu sichern, hatte die Bundesregierung am 4. September 2019 das „Aktionsprogramm Insektenschutz" verabschiedet. Das Programm umfasst neun Handlungsbereiche, in denen Maßnahmen zum Schutz von Insekten, ihren Lebensräumen und der Artenvielfalt ergriffen werden. Teile des Programms sollen in dieser Legislaturperiode in gesetzlichen Vorgaben münden.

Insekten tragen in erheblichem Maß zur biologischen Vielfalt bei. Darüber hinaus erbringen viele Insektenarten elementare Ökosystemleistungen, z.B. für die Bestäubung von Pflanzen, als Nahrungsgrundlage für andere Insekten und weitere Tiergruppen, für den Abbau organischer Masse, die biologische Kontrolle von Schadorganismen oder die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Der Rückgang dieser Insekten und ihrer Ökosystemleistungen hat damit nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf uns Menschen.

So ist die Bestäubung durch Insekten essentiell für die Erhaltung der Wildpflanzen, aber auch für die Sicherung der Ernteerträge und -qualität vieler Nutzpflanzen. Gerade Kleingärtnerinnen und Kleingärtner wissen, wie unentbehrlich Insekten für eine erfolgreiche Ernte sind. Im größeren Maßstab, nämlich in Landwirtschaft und Gartenbau, würde die Verringerung von Bestäubungsleistungen große ökonomische Risiken mit sich bringen.

Die Kasseler Runde – ein Verbund von Akteuren aus dem Freizeitgartenbau, zu denen auch der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde gehört, will sich auch in diesen politischen Prozess und Dialog zum Schutz von Insekten mit einbringen. Denn Haus- und Kleingärten besitzen nicht nur einen hohen Kulturwert: Gerade in urbanen Räumen sind sie mit ihrer Struktur- und Artenvielfalt für Ökosysteme und Insektenaufkommen unverzichtbar. Der Verband kann das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ mit seiner langjährigen Fachexpertise als Vertreter der Haus- und Kleingärtner unterstützen.

Thomas Wagner, BDG

Die Problematik ist europaweit dieselbe. Denken Sie dran auch Ihren persönlichen Beitrag zum Insektenschutz durch Ihr naturgerechtes Gärtnern zu leisten!

Haben Sie Ihren persönlichen Beitrag geleistet?
2020 steht im Zeichen der Pflanzengesundheit

Ohne Pflanzen kein Leben. Sie produzieren nicht nur lebensnotwendigen Sauerstoff, sondern sind Grundlage der Ernährung, liefern wichtige Rohstoffe und tragen zur biologischen Vielfalt bei. Umso entscheidender ist es, die Pflanzenwelt zu schützen und präventiv für ihre Gesundheit zu sorgen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2020 zum Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit ausgerufen, um die Gesellschaft über den immensen Wert von Pflanzen aufzuklären und zu sensibilisieren. Insbesondere das Vermeiden der Verbreitung pflanzengefährdender Schadorganismen und Krankheiten steht in einer globalisierten Welt mit ihren internationalen Warenströmen im Fokus der Kampagne.

Auch Freizeitgärtner wünschen sich gesunde Pflanzen und Erträge. Dabei wissen und praktizieren es Kleingärtner seit Jahrzehnten: Beim Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf gibt es keine Vermarktungsvorschriften. Einen gewissen Grad an Handarbeit nimmt man gern in Kauf, verzichtet auf Höchsterträge und akzeptiert Mängel bei der äußeren Qualität der Pflanzen und Früchte leichter.

Der integrierte Pflanzenschutz bietet dafür ein zeitgemäßes Konzept. Dabei werden biologische, biotechnische, pflanzenzüchterische oder anbau- und kulturtechnische Verfahren so miteinander kombiniert, dass auf die Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel verzichtet werden kann. So formuliert es auch die „Sektorspezifische Leitlinie zum integrierten Pflanzenschutz im Haus- und Kleingartenbereich“, die von der „Kasseler Runde“ – einem Verbund verschiedener Akteure aus dem Haus- und Kleingartenbereich, zu dem auch der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) zählt, entwickelt wurde. Die Leitlinie fördert den bewussten und verantwortungsvollen Pflanzenschutz in Privatgärten und gibt den Handlungsrahmen für nachhaltiges Gärtnern vor. Einzusehen ist die Leitlinie auf der BDG-Internetseite: http://bit.ly/leitlinie-bdg.

Sandra REKOWSKI
Thomas WAGNER

N.B.: Der Schweizer Familiengärtnerverband ist offizieller Partner des Internationalen Jahres der Pflanzengesundheit.

Erfahrungsaustausch mit Fachexperten der SPD-Landtagsfraktion, NRW, in der Landesschule der Kleingärtner

• Vorstellung des Forschungsprojektes „FEW-Meter“

• Gesunde Ernährung aus Kleingärten

Werner Heidemann, Geschäftsführer des Landesverband Westfalen und Lippe der Kleingärtner e.V.

Worum geht´s? Im Rahmen des Forschungsprojektes „FEW-Meter“ (Food, Energy, Water) werden Studien in Deutschland sowie in den Ländern Frankreich, Großbritannien, Polen und USA durchgeführt, die die Effizienz „urbaner Landwirtschaft“ untersuchen.

Dafür interessieren sich die Landtagsabgeordneten Annette Watermann-Krass, Inge Blask und André Stinka, die als Mitglieder des Fachausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz, die Themenbereiche „gesunde Ernährung, fairer und regionaler Anbau“ in Zukunft intensiv erörtern möchten. Zu einem ersten Auftaktgespräch trafen sich die Experten am 7. August 2020 in der Landesschule.

Urbane Landwirtschaft (urban farming) ist ein Oberbegriff für die Lebensmittelproduktion in städtischen (urbanen) Räumen. Weltweit nimmt der kleinteilige Anbau von Obst und Gemüse in den Städten zu.

Urbane Landwirtschaft zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen: Dazu zählen in New York City und London die Gemeinschaftsgärten (community gardens), aber auch Dachfarmen, Aquakultur, Küchengärten und Therapiegärten erobern die Städte. Kleingärten sind seit jeher Orte der Selbstversorgung, die seit der Jahrtausendwende eine Renaissance erlebt. Kleingärten gehören zum sozialen und ökologischen Netzwerk einer Stadt, sie sind im mehrfachen Sinne Teil des guten Klimas im Stadtquartier und Orte der Naturerfahrung. Klar doch, dass Kleingärten auch Teil der urbanen Landwirtschaft sind.

Die Projektkoordinatorin Runrid Fox-Kämper, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS), stellte das Gesamtprojekt vor:
Wie effizient und nachhaltig ist urban farming?
Welche Mengen werden über das Jahr geerntet?
Wie hoch ist der Einsatz von Wasser und Energie?
Fragen über Fragen, auf die die Forscher verlässliche Antworten finden möchten.

Aber auch die Artenvielfalt, das Erlebnis Gärtnern, die Nutzung der Ernteprodukte, Düngung und Pflanzenschutz sind Themenbereiche, die untersucht werden.

In Zusammenarbeit mit dem Forschungspartner ILS (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung) und dem Landesverband werden Kleingärtner aus Bochum, Dortmund, Münster und Lünen in 2019 und 2020 ihre geernteten Produkte erfassen, sowie ihre gärtnerischen und ökologischen Aktivitäten dokumentieren. Unterstützt und beraten werden sie vor Ort von unserem Gartenexperten und Mitarbeiter an der Landesschule Stephan Grote aus Münster.

Unter Leitung von Wilhelm Spieß, Landesverbandsvorsitzender, folgte anschließend ein konstruktiver Meinungsaustausch mit den Abgeordneten, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Fraktion, Leonard Wessel, der Projektmanagerin Runrid Fox-Kämper und den Projektexperten Stephan Grote und Werner Heidemann. Wir wünschen uns, dass mehr Politiker und Entscheidungsträger in Sachen „gesunde Ernährung, fairer Handel, regionaler Anbau, Selbstversorgung und Kleingärten“ beherzt Partei ergreifen. Das war ein ermunternder Auftakt.

Weitere Projektinfos:
http://www.fewmeter.org/de/home-3/
http://www.fewmeter.org/en/research-team/

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